Focusing

Nicht nur eine Methode, auch eine Haltung
Focusing ist eine achtsame, körperorientierte Methode aus der Gesprächstherapie. Es ist ein Modell, mit dem Sie Ihr Bewusstsein für die Körperwahrnehmung schulen und verfeinern können. Sie lernen, sich im inneren Erleben Raum zu schaffen, um die feinen Impulse und Empfindungen des Körpers bewusster wahrzunehmen. Dies sind verlässliche Informationsträger für tieferliegende Bedürfnisse und unbewusste Ziele.

Focusing ist nicht nur eine Methode, sondern auch eine innere Haltung. Die dazu gehörende Kompetenz ist von Natur aus in jedem von uns angelegt. Sie steuert unwillkürlich jede unserer Handlungen mit. Durch Focusing können Sie diese Kompetenz bewusst für Ihre Ziele einsetzen. Sie gelangen dabei zu einem verfeinerten Selbstgefühl und spüren Ihre tieferen Bedürfnisse und Grenzen besser. Dies wiederum lässt Sie bewusster entscheiden und authentischer handeln.

Der Kleine Prinz und der Fuchs
Der entscheidende Punkt bei den Focusing-Prozessen ist der, dass Sie jedesmal Forscher sind. Das braucht Mut. Sie tasten sich an etwas scheinbar Neues heran, etwas, das Ihnen bislang verborgen blieb: Meist ein gut gehütetes Geheimnis. Starke innere Widerstände sind nicht ungewöhnlich. Im tosenden Lärm der Gefühle, Schmerzen und Gedanken müssen Sie als erstes etwas Raum gewinnen. Es braucht Geduld, Nachsicht und eine Art freundliche Offenheit für alles was da aufsteigen will. Der sogenannte Felt Sense offenbart sich dann als körperliche, vage Empfindung. Aber nur, wenn er sich willkommen fühlt. Sonst traut er sich nicht. Sie müssen sich erst etwas vertraut machen mit ihm. So wie es der Kleine Prinz mit dem Fuchs getan hat. Es braucht Übung, innere Bereitschaft sich einzulassen und den Wunsch zur tieferen Selbstreflexion.

Sie kennen den Felt Sense aus Ihrem Alltag!
Ein Felt Sense kann ungefähr verglichen werden mit dem Gefühl, etwas vergessen zu haben, wenn Sie am Morgen Ihr Haus verlassen. Doch Sie kommen partout nicht drauf, was es sein könnte und beschliessen: es ist nichts. Im lauten Tohuwabohu des Alltags verstummt diese vage Empfindung schliesslich ganz. Um vier Uhr nachmittags fällt Ihnen ein, dass Sie zum Schwimmen gehen wollten – und stellen fest, dass Sie die Badehose vergessen haben: «Uff! Ja genau! Hab ich’s heute Morgen doch gewusst, dass ich was vergessen habe!» Eine körperliche Erleichterung stellt sich ein. Das wäre dann der Felt Shift.

Jeder den ich gefragt habe, konnte von so einer Erfahrung berichten. Das bedeutet, dass die Kompetenz zur verfeinerten Selbstwahrnehmung in uns allen steckt. Wir können es schon, müssen es nur noch bewusst für unsere Ziele einsetzen. Wohlan!

© Bild: Stefan Cosma, Unsplash